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Darf ich WordPress kommerziell nutzen?

erstellt am: 05.08.2012 von WP Care | Kategorie(n): Lizenz | Schlagwörter: , , ,

Eine Frage, die man in Foren immer wieder liest, ist, ob es denn erlaubt sei, Word­Press zu kom­merziellen Zweck­en einzuset­zen. Die Antwort ist für den Core, also die eigentliche Word­Press-Soft­ware schnell beant­wortet: Ja, Sie dür­fen!

Word­Press ist soge­nan­nte freie Soft­ware und unter der GNU Gen­er­al Pub­lic Licence (GPL) v2 oder später lizen­ziert. Damit es keine Missver­ständ­nisse gibt: Auch wenn Sie Word­Press kosten­los herun­ter­laden kön­nen, bedeutet “freie Soft­ware” nicht, dass sie kosten­los sein muss. “Frei” bedeutet in diesem Fall, dass Sie von der Lizenz im wesentlichen vier Frei­heit­en eingeräumt bekom­men:

  1. Sie dür­fen Word­Press ohne jegliche Ein­schränkung ein­set­zen. Das bedeutet, dass Sie die Soft­ware zu jedem beliebi­gen Zweck, unbe­gren­zt und auch so oft instal­lieren und nutzen dür­fen, wie Sie wollen.
  2. Sie dür­fen den Code der Soft­ware studieren.
  3. Sie dür­fen den Code verän­dern.
  4. Sie dür­fen die Soft­ware im Orig­i­nal oder mit Ihren Verän­derun­gen beliebig weit­ergeben. Sie dür­fen Word­Press beispiel­sweise auf Ihrer Web­site zum Down­load anbi­eten. Das bein­hal­tet auch, dass Sie die Soft­ware verkaufen dür­fen. Voraus­set­zung für die Weit­er­gabe ist jedoch, dass Sie die GPL als Lizenz beibehal­ten und bei­le­gen, auch wenn Sie die Soft­ware verän­dern, und den­jeni­gen, an die Sie die Soft­ware weit­ergeben, somit die gle­ichen vier Frei­heit­en ein­räu­men müssen, die Ihnen mit dem Erhalt von Word­Press auch eingeräumt wur­den.

Wollen Sie Word­Press weit­er­verkaufen, müssen Sie darauf acht­en, dass Sie es wohl nicht unter dem Namen “Word­Press” weit­er­verkaufen dür­fen, weil die Trade­mark Pol­i­cy für den Namen und das Logo von Word­Press die Ver­wen­dung des Namens und des Logos im Rah­men eines Pro­duk­ts ver­bi­etet. Lediglich Leis­tungs­beschrei­bun­gen dür­fen den Namen Word­Press enthal­ten.

Anders sieht es unter Umstän­den mit Plu­g­ins und Themes aus. Ob Sie ein Theme oder Plu­g­in kom­merziell ein­set­zen dür­fen, hängt von dessen Lizenz ab. Auch die meis­ten Plu­g­ins und Themes haben zwar kein­er­lei Nutzung­sein­schränkung und sind auch kom­merziell ein­set­zbar, aber das müssen Sie im Einzelfall prüfen. Ob Ihnen die Lizenz eines Plu­g­ins oder Themes zudem die genan­nten vier Frei­heit­en ein­räumt, hängt eben­falls vom Einzelfall ab.

Update vom 19. 09. 2012: Automat­tic als Her­steller­fir­ma von Word­Press verpflichtet auch Autoren von Plu­g­ins und Themes, ihre Werke unter die GPL zu stellen. Ich war mir in diesem Fall nicht ganz sich­er, inwieweit diese Verpflich­tung mit der GPL vere­in­bar ist. Daher habe ich die Legal Task Force der Free Soft­ware Foun­da­tion Europe (FSFE) kon­tak­tiert und um eine Stel­lung­nahme für dieses Prob­lem gebeten. Die Antwort besagt kurz zusam­menge­fasst, dass es sich um eine sehr schwierige Fragestel­lung han­delt, die nicht hun­dert­prozentig beant­wortet wer­den kann, man aber bei der FSFE der Auf­fas­sung ist, dass man der Inter­pre­ta­tion von Automat­tic fol­gen muss und Plu­g­ins sowie Themes bis auf sehr spezielle Aus­nah­men unter die GPL gestellt wer­den müssen. Auch die FSF, die Mut­teror­gan­i­sa­tion der FSFE, sieht das so. Dem­nach ist der PHP- und HTML-Code von Themes zwin­gend unter die GPL zu stellen, während das CSS und beiliegende Bilder nicht unter der GPL ste­hen müssen.

Das Faz­it ist somit klar: Sie dür­fen Word­Press kom­merziell nutzen, nicht aber jedes Plu­g­in und nicht jedes Theme. Zwar ver­stoßen die Theme- und Plug­in­au­toren, die eine kom­merzielle Nutzung auss­chließen, in diesem Fall gegen die Vor­gaben von Automat­tic, dass Plu­g­ins und Themes unter der GPL lizen­ziert sein müssen. Aber dage­gen vorzuge­hen, ist ein lang­wieriger Prozess. In einem solchen Fall ist die Wahl eines GPL-lizen­zierten alter­na­tiv­en Plu­g­ins oder Themes sich­er die bessere Lösung.

Update vom 18. 10. 2012: Da in let­zter Zeit gehäuft Fra­gen zur Lizen­zierung von Themes bei mir auf­schla­gen, die grundle­gende Missver­ständ­nisse enthal­ten, möchte ich zwei wichtige Punk­te ergänzen, die auch von Juris­ten immer wieder falsch dargestellt wer­den:

  1. Es wird immer wieder behauptet, dass mit der GPL Urhe­ber­rechte aufgegeben wür­den. Das ist falsch! Vielmehr ist es umgekehrt. Die GPL als Lizenz braucht das Urhe­ber­recht als zwin­gende Voraus­set­zung. Nur wenn ein Urhe­ber die vollen Rechte an seinem Werk hat, kann er diese auch den Nutzern in dem weitre­ichen­den Maße weit­ergeben, wie es die GPL tut. Ohne Urhe­ber­recht wäre also auch die GPL hin­fäl­lig.
  2. Bei Word­Press-Themes wird in aller Regel nicht die Aus­gabe des Themes, also der Inhalt des Blogs oder der Web­site inklu­sive Bildern und Tex­ten, wie ihn Besuch­er zu Gesicht bekom­men, unter der GPL lizen­ziert, son­dern auss­chließlich das Theme selb­st, also das Pro­gramm, das die Aus­gabe erzeugt. Denn die Aus­gabe eines Pro­gramms fällt nach der FAQ nur dann eben­falls unter die GPL, wenn die Aus­gabe Teil des Pro­gramm­codes ist. Somit stünde nur dann die Aus­gabe eines Word­Press-Themes unter der GPL, wenn beispiel­sweise ein inhaltlich­er Text, also der Inhalt ein­er Seite oder eines Artikels, schon hart­codiert in das Theme einge­fügt würde, und das macht in der Regel bei Word­Press-Themes keinen Sinn. Somit kön­nen auch ver­wen­dete Bilder und Texte aus dem Theme dur­chaus unter ein­er anderen Lizenz ste­hen. Word­Press selb­st ist das beste Beispiel dafür. Das dem Word­Press-Paket beiliegende Word­Press-Logo darf nicht frei ver­wen­det wer­den, son­dern unter­liegt Nutzungs­beschränkun­gen.

[Update vom 26. 7. 2015]: Ein aktueller Artikel disku­tiert das The­ma der Lizen­zierung von Themes anhand eines konkreten Stre­it­falls. Der Artikel geht sehr ins Detail und ist im Detail sehr kom­plex, aber abso­lut lesenswert.

Was hal­ten Sie von diesem Konzept freier Soft­ware? Prof­i­tieren Sie davon?

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15 Antworten zu “Darf ich WordPress kommerziell nutzen?”

  1. Anzumerken ist noch: Wenn man selb­st ein Plu­g­in oder Theme erstellt, mag es damit zwar unter der GPL ste­hen, allerd­ings verpflichtet das den Autor eines Plu­g­ins oder Themes nicht dazu, sein Werk zu veröf­fentlichen.

    Ein Theme (Lay­out) aus dem Quell­code ein­er Seite rauszupflück­en, dürfte “etwas” umständlich sein, und an den Code eines Plu­g­ins kommt man von außen über­haupt nicht her­an.

    • avatar WP Care sagt:

      Richtig, man muss es nicht veröf­fentlichen.

      Ein Theme ist nicht allein das Lay­out. Ein Theme kannst du ohne eine Sicher­heit­slücke gar nicht aus ein­er Word­Press-Site rauspflück­en. Denn das, was dir let­ztlich als Lay­out aus­gegeben wird, ist nur die Aus­gabe des Themes mit seinen The­me­funk­tio­nen. Zu einem Word­Press-Theme gehören min­destens HTML, CSS und PHP. Am Ende siehst du als Lay­out nur das vom PHP aus­gegebene HTML und CSS. Aber das ist nicht das eigentliche Theme.

  2. avatar Thomas Luzat sagt:

    Ich prof­i­tiere davon. Für ser­vice­ori­en­tierte Dien­stleis­ter ist die GPL auch nicht unbe­d­ingt die schlecht­este der vie­len möglichen Optio­nen. Nichts­destotrotz sehe ich andere Lizen­zen wie MIT oder BSD oft lieber, die dem Nutzer noch weit­ere Möglichkeit­en zur Nutzung offen lassen.

    Die GPL ist teil­weise sich­er prob­lema­tisch, ger­ade in der Def­i­n­i­tion dessen welche Werke eben­falls unter die GPL gestellt wer­den müssen (Stich­wort Themes, Tem­plates). Hier dürften auch Gerichte nicht immer ein­deutig entschei­den.

    Als Entwick­ler muss man oft ein­fach seinen Code und nicht den Sup­port dazu verkaufen und das ist mit der GPL nur teil­weise möglich. Frei­heit des Codes hört sich schön an, aber ob ich ein­ma­lig 500,- € bekomme oder 10x für ein Stück Code ist ein großer Unter­schied wenn Rech­nun­gen bezahlt wer­den wollen. Faz­it: Open Source Lizen­zen sind inter­es­sant, nur nicht in jedem Fall.

    • avatar WP Care sagt:

      Klar ist es ein Unter­schied, ob du einen Code ein­mal oder zehn­mal verkaufen kannst. Aber warum kann man nicht Sup­port, Instal­la­tion und Wartung, ins­beson­dere Updates, dazu verkaufen? Wenn du das so anbi­etest, lohnt es sich für Anwen­der oft eher, die Soft­ware bei dir zu kaufen, als sie zwar legal kosten­los kopiert, dafür aber ohne jeglichen Anspruch auf Wartung und kosten­freie Updates zu bekom­men.

  3. Danke für die klare, knappe und infor­ma­tive Antwort.

  4. avatar Aaron sagt:

    Hi Leute,

    Hab dazu né ähn­liche Frage.

    Wenn ich ein Theme mit Word­Press und eini­gen Plu­g­ins die alle unter die GPL Lizenz fall­en, so zusam­men geset­zt habe das eine “echte” Lösung für einen bes­timmten Webauftritt ent­standen ist. Darf ich das dann qua­si als GPL Lizenz weit­er verkaufen. Siehe auch Word­Press “Agen­turen”…

    • avatar WP Care sagt:

      Ja, natür­lich. Das Ganze muss nur unter der GPL bleiben. Wobei ein solch­es Paket nicht die Schöp­fung­shöhe haben dürfte, um als eigenes Werk zu gel­ten. Sie erbrin­gen ja durch das reine Bundlen keine schöpferische Eigen­leis­tung.

  5. avatar Aaron sagt:

    Vie­len Dank für Ihre Antwort.

    Also wäre solch ein Ange­bot eher ein graues Scharf im Inter­net?

    Wobei sich mir dann wiederum die Frage stellt, wenn ich eine Shop­soft­ware sehe die ein wenig angepasst und umpro­gram­miert wurde mit dem Zusatz “auf Basis von xt:commerce…

    Ist das dann nicht auch eher ein graues Schaf?

    • avatar WP Care sagt:

      Nö, das ist alles legit­im, wenn die entsprechende Lizenz erhal­ten bleibt. Was nicht legit­im wäre, wäre, das Bun­dle oder die Shop­soft­ware unter ein­er anderen Lizenz zu vertreiben oder Lizen­zge­bühren für die GPL zu ver­lan­gen, wie es bei Closed-Source-Lizen­zen üblich ist. Das ist bei der GPL nicht erlaubt. Man zahlt da ein­mal für die Leis­tung oder den Sup­port, nicht für die Lizenz. Auch eine zeitliche Begren­zung der Lizenz ist nicht statthaft. Solange aber der Enduser mit der GPL alle Rechte weit­ergegeben bekommt, ist an diesen Fällen rein gar nichts zu bean­standen. Ich habe nur angezweifelt, daas durch das reine Bundlen ein eigen­ständi­ges Werk entste­ht. Aber das ist für Ihre Frage, ob das grund­sät­zlich in Ord­nung ist, gar nicht entschei­dend.

  6. avatar Anonymous sagt:

    Wenn ich nun für einen Kun­den eine Web­seite erstelle und diese an ihn verkaufe, muss ich dann auch das Word­Press Logo kom­plett ent­fer­nen, also alle Dateien, Bilder etc. die das Word­Press Logo enthal­ten, löschen?

    • avatar WP Care sagt:

      Der Frage liegt ein Missver­ständ­nis zugrunde. Denn Sie verkaufen ja damit nicht Word­Press als Soft­ware­pro­dukt, son­dern Sie bekom­men Geld für Ihre Dien­stleis­tung, die Web­site erstellt zu haben, und verkaufen vielle­icht noch Ihr Lay­out als grafis­ches Pro­dukt und evtl. eigens erstellte Plu­g­ins als Pro­dukt. Word­Press ist hier nur die Grund­lage und nicht das Pro­dukt selb­st.

      Etwas anderes wäre es, wenn Sie Word­Press forken und die Soft­ware selb­st als abgeleit­etes Werk von Word­Press verkaufen oder auch ander­weit­ig weit­ergeben wür­den. Dann müssten Sie ver­mut­lich das Logo ent­fer­nen und auch den Namen ändern.

  7. avatar JoMel sagt:

    Prinzip­iell spricht doch nichts gegen die Weit­er­gabe von GPL lizen­siert­er Soft­ware ob das nun den Devel­op­erj schmeckt ode nicht. Das sind keine Urhe­ber­rechtsver­let­zun­gen son­dern Rechte die den Nutzern per Def­i­n­i­tion zuste­hen. Ger­ade bei Word­Press sieht man ja seit ger­aumer Zeit eine Zunahme von Reseller-Seit­en, die die Plu­g­ins und Themes die sie gar­nicht selb­st erstellt haben zum Kostenpflichti­gen Down­load (z.B. sozot.com) oder kom­plett kosten­los (z.B. gpldl.com) anbi­eten. Rechtlich ist dage­gen aus mein­er Sicht nichts einzuwen­den.

    • avatar WP Care sagt:

      Die Sicht ist da eben nicht ganz richtig, wie ich im Artikel erläutert habe. Nach der rechtlichen Ein­schätzung der FSF ist es eben nicht ganz so ein­fach. Wenn Plu­g­ins und Themes Grafiken und Gestal­tungse­le­mente (vornehm­lich CSS) ver­wen­den, dann kön­nen die von der GPL-Lizen­zierung ausgenom­men wer­den. Das heißt, nur der HTML- und PHP-Code, der auf Word­Press-Funk­tio­nen beruht, muss zwin­gend GPL-lizen­ziert sein. Das bedeutet für diese Reseller, dass sie entwed­er die Grafiken und Gestal­tungse­le­mente ent­fer­nen müssen, die durch andere Lizen­zen geschützt sind, was bei Themes natür­lich keinen Sinn macht, weil man sie damit zer­stört, oder dass sie eine geson­derte Genehmi­gung von den Urhe­bern haben, die Themes ins­ge­samt zu verkaufen, oder dass sie schlicht gegen das Urhe­ber­recht der Urhe­ber ver­stoßen, der Weit­er­verkauf also ille­gal geschieht. Es gibt auch mit­tler­weile zunehmend mehr Theme-Autoren, die diese Unter­schei­dung zwis­chen Code und Gestal­tungse­le­menten sehr genau tre­f­fen und expliz­it darauf hin­weisen, dass die Gestal­tungse­le­mente nicht unter GPL ste­hen. Ich rate nach der rechtlichen Ein­schätzung der FSF drin­gend dazu, sich daran zu hal­ten. Denn die Theme-Autoren, die diese Unter­schei­dung tre­f­fen, sind im Gegen­satz zu denen, die auch für den HTML- und PHP-Code keine GPL-Lizenz wählen, nach dieser Ein­schätzung im Recht. Gle­ich­es gilt übri­gens auch für den Namen Word­Press und das Word­Press-Logo. Bei­des ist nicht von der GPL erfasst. Somit darf man Word­Press zwar verkaufen, es aber wed­er Word­Press nen­nen, noch das Logo von Word­Press ver­wen­den. Das ist aber alles im Artikel erläutert.

  8. avatar JoMel sagt:

    Bei den Split-Licens­es hast Du bes­timmt Recht. Bei den von den Autoren erk­lärten 100% GPL Lizen­zen müsste es doch prob­lem­los möglich sein…

    Was Namen­stechte ange­ht, ist das alles eine ganz ander Diskus­sion. Natür­lich kann nien­mand forken und den gle­ichen Namen ver­wen­den. Aber wenn man die let­zte Ver­sion von Word­Press verteilt (unmod­i­fiziert), kann man das auch so nen­nen…

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last modified: 04/14/2013 by WP Care