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Der Recht­san­walt Udo Vet­ter hat bekan­nt­gegeben, dass er in seinem bekan­nten juris­tis­chen Blog law­blog nun mit dem Ver­sicher­er ARAG “kooperiert”. ARAG werde pro Woche ein bis zwei eigene Beiträge zu seinem Blog beis­teuern, son­st ändere sich nichts. ARAG werde, so Vet­ter, keinen Ein­fluss auf die Inhalte ander­er Artikel nehmen.

Wie man in den Kom­mentaren zu dieser Ankündi­gung erse­hen kann, stößt dieses Unter­fan­gen nicht nur auf Gegen­liebe. Einige Kom­men­ta­toren wer­fen ihm vor, dass sein Blog damit seine Unab­hängigkeit ver­liere.

Ob das wirk­lich passieren wird, bleibt abzuwarten. Von Vorverurteilun­gen halte ich nichts. Und es set­zt natür­lich voraus, dass ein Blog­ger, der solche Koop­er­a­tio­nen einge­ht, über­haupt unab­hängig sein möchte. Mir scheint, dass Unab­hängigkeit qua­si zum Ehren­codex eines jeden Blog­gers gehören muss. Dabei ist fraglich, ob Unab­hängigkeit über­haupt immer sin­nvoll und gewollt ist. Es gibt schließlich sehr viele The­men, bei denen wir von vorn­here­in einen nicht neu­tralen Stand­punkt ein­nehmen. Wenn ich beispiel­sweise als Mit­glied ein­er Partei über ihr Grund­satzpro­gramm bericht­en würde, würde der Bericht sicher­lich anders aus­fall­en, als wenn ein pas­sion­iert­er Wech­sel­wäh­ler darüber bericht­en würde. Schon allein auf­grund mein­er Parteizuge­hörigkeit kön­nte mein Bericht schw­er­lich als unab­hängig beze­ich­net wer­den. Und eine völ­lig unab­hängige Berichter­stat­tung wäre dann sicher­lich auch gar nicht mein Ziel. Das ist meines Eracht­ens auch völ­lig legit­im, solange der Blog­ger trans­par­ent macht, dass sein Stand­punkt nicht der eines neu­tralen unab­hängi­gen Beobachters ist.
Zudem muss die Frage erlaubt sein, ob vol­lkommene Unab­hängigkeit, wie sie offen­bar von Blog­gern erwartet wird, über­haupt möglich ist. Ich meine nein. Jed­er Men­sch wird von seinem sozialen Umfeld bee­in­flusst. Das schränkt die Unab­hängigkeit auf ganz natür­liche Weise erhe­blich ein, selb­st wenn man unab­hängig sein möchte. Man kann oder darf beispiel­sweise aus ver­schieden­sten Grün­den längst nicht alles schreiben, was man gern schreiben würde, etwa weil geset­zliche Regelun­gen dem im Wege ste­hen. In Frage zu stellen, ob die viel­ge­priesene Unab­hängigkeit von Blog­gern nicht eine Illu­sion ist, ist mein­er Mei­n­ung nach daher dur­chaus legit­im.

Natür­lich kann man nun zu Recht ein­wen­den, dass noch ein­mal eine andere Dimen­sion erre­icht wird, wenn man sich für Gast­posts bezahlen lässt. Generell halte ich daher solche Koop­er­a­tio­nen schon für prob­lema­tisch. Es ste­ht zu befürcht­en, dass es länger­fristig schon zu Inter­essen­skon­flik­ten kom­men kann, etwa wenn man selb­st über eine The­matik bloggen möchte, in die der Koop­er­a­tionspart­ner eben­falls involviert ist, hier beispiel­sweise im Zuge ein­er Berichter­stat­tung über einen Rechtsstre­it, an dem auch der Koop­er­a­tionspart­ner beteiligt ist. In solchen Fällen einen zumin­d­est im Rah­men der oben disku­tierten Bedin­gun­gen halb­wegs neu­tralen Stand­punkt zu wahren, ist unter Umstän­den sehr schwierig.

Ein entschei­den­der Aspekt ist natür­lich auch, wie mit Kom­mentaren umge­gan­gen wird. Wer­den Kom­mentare, die sich kri­tisch mit dem Koop­er­a­tionspart­ner auseinan­der­set­zen, akzep­tiert oder nicht? Mein­er Ansicht nach ist es unab­d­ing­bar, im Rah­men der­ar­tiger Koop­er­a­tio­nen mit dem Koop­er­a­tionspart­ner zu vere­in­baren, dass kri­tis­che Kom­mentare, die sich im Rah­men des gel­tenden Rechts bewe­gen, auf keinen Fall gelöscht wer­den dür­fen. Wer­den legit­ime kri­tis­che Kom­mentare gelöscht, fügt das der Glaub­würdigkeit eines Blogs schw­eren Schaden zu.

Wie sehen Sie das? Hal­ten Sie es für legit­im, wenn sich Blog­ger von Fir­men dafür bezahlen lassen, dass sie besagten Fir­men in ihrem Blog Raum zum Gast­posten ein­räu­men? Sehen Sie dadurch die Unab­hängigkeit von Blog­gern generell gefährdet? Wie wichtig ist Ihnen über­haupt die Unab­hängigkeit von Blog­gern?

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Eine Antwort zu “Bezahlte Gastposts: Geht das gut?”

  1. Ich sehe es zumin­d­est skep­tisch. Und mehr als skep­tisch, nach­dem ich erfahren habe, daß sach­liche Kri­tik am Koop­er­a­tionspart­ner ARAG gelöscht wur­den.

    Auf meinem eige­nen Blog (ja, das ist natür­lich nicht so rel­e­vant wie das Law­blog, ich weiß) hab ich Flat­tr. Eine Zeit­lang hat­te ich mal Goog­leAds drauf, und selb­st das war mir irgend­wie unan­genehm bzw. ich stellte fest, daß ich immer wieder dazu tendierte, Artikel so zu for­mulieren, daß bes­timmte Begriffe, für die es beson­ders gut bezahlte Anzeigen gab, drin vorka­men. Gelöscht habe ich es dann, als ich in meine Daten­schutzerk­lärung schreiben sollte, daß meine Besuch­er getrackt wer­den. Da wurde mir erst klar, was ich da eigentlich mache. Und so neben­bei: Gelohnt hat es sich auf Dauer auch nicht.

    Der erste einge­spielte Artikel ist wohl Massen­ware, und es ist abzuse­hen, daß es dabei bleibt. Massen­ware, die aus ein­er PR-Abteilung stammt, und die nicht als Wer­bung gekennze­ich­net ist. Das ist für mich wie die Wer­beanzeigen in manchen Boule­vard-Blät­tern, die nicht als solche gekennze­ich­net wer­den und die wie Artikel aufgemacht sind, max­i­mal noch eine etwas andere Schrif­tart und/oder Spal­tenbre­ite haben.

    Mit­tler­weile ste­he ich auf dem Stand­punkt: Wenn ich für jeman­den Wer­bung machen möchte, dann mach ich das durch einen pos­i­tiv­en Artikel aus eigen­er Überzeu­gung (!), und nicht, weil ich Geld dafür rüberg­ere­icht bekomme.

    Ich bin nicht reich, aber ich über­lege mir schon, auf welche Weise ich an Geld komme. Dieser Weg erscheint mir ungeeignet, er kostet etwas, was mit Geld nicht aufzuwiegen ist: Unab­hängigkeit und Glaub­würdigkeit.

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last modified: 04/14/2013 by WP Care