Anonym kommentieren

Warum nicht anonym kommentieren lassen?

In den meis­ten Blogs ist es gang und gäbe, dass man zum Kom­men­tie­ren einen Namen und eine Mail­adres­se ange­ben muss. Kaum ein Blog­be­trei­ber kommt auf die Idee, Auch Kom­men­ta­re ohne die Anga­be eines Namens und einer Mail­adres­se zuzu­las­sen. Tech­nisch ist das ganz ein­fach. Man muss nur in den Ein­stel­lun­gen unter „Dis­kus­si­on” das Häk­chen bei „Benut­zer müs­sen zum Kom­men­tie­ren Name und E‑Mail-Adres­se hin­ter­las­sen” raus­ma­chen. Möch­te man zusätz­lich auch noch die IP-Adres­se des Kom­men­ta­tors aus Kom­men­tar­be­nach­rich­ti­gun­gen löschen, so emp­fiehlt sich der Ein­satz von Plugins wie Pri­va­te Com­ment Noti­fi­ca­ti­on Email. Es ist tech­nisch also über­haupt kein Pro­blem, anony­mes Kom­men­tie­ren zu ermög­li­chen. War­um aber wird die Mög­lich­keit zum anony­men Kom­men­tie­ren dann nicht häu­fi­ger von Blog­be­trei­bern ange­bo­ten?

Ich den­ke, dass ein Groß­teil der Blog­ger ein­fach die Stan­dard­ein­stel­lun­gen von Wor­d­Press bei­be­hält und gar nicht über die Mög­lich­keit nach­denkt, das zu ändern. Vie­le haben aber viel­leicht auch Angst vor einer gro­ßen Zahl unsin­ni­ger oder gar bedenk­li­cher Kom­men­ta­re. Ich hal­te die­se Befürch­tun­gen sowohl aus grund­sätz­li­chen Über­le­gun­gen her­aus, wie auch auf­grund prak­ti­scher Erfah­run­gen für unbe­grün­det.

Denn selbst wenn ein Kom­men­tar nur unter Anga­be einer Mail­adres­se und eines Namens mög­lich ist, ist ein Kom­men­ta­tor nicht gezwun­gen, sei­nen rich­ti­gen Namen und sei­ne rich­ti­ge Mail­adres­se anzu­ge­ben. Die Rich­tig­keit bei­der Anga­ben wird beim Kom­men­tie­ren nicht geprüft. So ist es pro­blem­los mög­lich, auch unter einem gefälsch­ten Namen und einer gefälsch­ten Mail­adres­se bedenk­li­che Kom­men­ta­re zu schrei­ben. Auch die IP-Adres­se des Kom­men­tie­ren­den ist durch einen Pro­xy oder Tor leicht ver­schlei­er­bar. Wer es also wirk­lich drauf anlegt, in einem Blog bedenk­li­che Kom­men­ta­re zu plat­zie­ren, der schafft das auch, wenn er einen Namen und eine Mail­adres­se ange­ben muss, ohne iden­ti­fi­zier­bar zu sein. Zudem lan­den völ­lig anony­me Kom­men­ta­re auto­ma­tisch in der Mode­ra­ti­on. Hier besteht also nicht ein­mal die Gefahr, dass jemand, der vor­her ein­mal ver­nünf­tig kom­men­tiert hat, nun einen pro­ble­ma­ti­schen Kom­men­tar ver­fasst, der auto­ma­tisch durch­rutscht, weil man Kom­men­ta­re von bekann­ten Mail­adres­sen nicht mehr mode­riert.

Nun wer­den man­che viel­leicht argu­men­tie­ren, dass Kom­men­ta­to­ren doch zu dem ste­hen soll­ten, was sie schrei­ben, und sich daher über ihren rich­ti­gen Namen und eine gül­ti­ge Mail­adres­se iden­ti­fi­zie­ren soll­ten. Nun, wer das als Kom­men­tie­ren­der möch­te, kann das ja auch wei­ter­hin tun, auch wenn anony­mes Kom­men­tie­ren mög­lich ist. Ich tue das auch meist, wenn ich woan­ders kom­men­tie­re. Aber einen Zwang dazu hal­te ich für falsch. Denn jemand, der anonym kom­men­tiert, schreibt nicht auto­ma­tisch min­der­wer­ti­ge­re Kom­men­ta­re. Ich hal­te es zudem schlicht für ein grund­le­gen­des Recht, sei­ne Mei­nung auch anonym äußern zu dür­fen.

Auch mei­ne prak­ti­sche Erfah­rung zeigt, dass anony­mes Kom­men­tie­ren sehr gut funk­tio­niert. Ich set­ze es seit über zwei Jah­ren in meh­re­ren Blogs ein, so auch in die­sem. Ledig­lich wenn ein Abon­ne­ment wei­te­rer Kom­men­ta­re gewünscht wird, wird eine gül­ti­ge Mail­adres­se benö­tigt. Die meis­ten Kom­men­ta­to­ren geben den­noch oft sogar ihren rich­ti­gen Namen und eine Mail­adres­se an. Aber auch die über­wie­gen­de Mehr­zahl der anony­men Kom­men­ta­re ist unpro­ble­ma­tisch. Die pro­ble­ma­ti­schen Kom­men­ta­re konn­te ich in die­ser Zeit bis­her an einer Hand abzäh­len. In einem ande­ren Blog bei­spiels­wei­se habe ich in zwei Jah­ren bei fast 2800 Kom­men­ta­ren ledig­lich drei anony­me Kom­men­ta­re nicht oder nur gekürzt ver­öf­fent­licht. Unpro­ble­ma­ti­scher geht es fast nicht.

Wie hal­ten Sie es? Wür­den Sie Ihre Besu­cher anonym kom­men­tie­ren las­sen? Nut­zen Sie die­se Mög­lich­keit viel­leicht schon? Wel­che Erfah­run­gen haben Sie damit gemacht? Oder was hält Sie davon ab, anony­me Kom­men­ta­re zuzu­las­sen? Ich bin auf Ihre Mei­nung sehr gespannt.

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8 thoughts on “Warum nicht anonym kommentieren lassen?

  1. Ich den­ke das anony­me Kom­men­ta­re genau­so gute Kom­men­tar sein kön­nen wie die die mit dem rich­ti­gen Namen abe­ge­ge­ben wer­den. Es ist nun mal so das vie­le Men­schen zwar eine Mei­nung zu etwas haben, aber nicht wol­len das ihr Umfeld dar­über bescheid weiß. Außer­dem ist es so oder so quatsch wenn man gezwun­gen wird „sei­nen ech­ten Namen” an zu geben. Im Inter­net hat jeder die Mög­lich­keit sich eine zwei­te Iden­ti­tät anzu­le­gen. Ein­fach Namen aus­den­ken und pas­sen­de email Adress dazu machen und fer­tig. Ich fin­de es müs­sen viel mehr Blo­ger auch anony­me Kom­men­ta­re zulas­sen, dann wer­den ihre Bei­trä­ge sich­lich auch öfter kom­men­tiert wer­den.

    1. Sehe ich genau­so. Frü­her gab es mal eine sehr schö­ne bekann­te Kari­ka­tur. Ein Hund saß vor einem PC, und drun­ter stand „On the inter­net, nobo­dy knows you’­re a dog” (s. hier). 😉

  2. Ich betrei­be meh­re­re Blogs und nut­ze unter­schied­li­che Vari­an­ten. Wenn es in Bei­trä­gen um Kri­tik geht wol­len vie­le lie­ber anonym blei­ben. Gibt man dem Besu­cher die­se Mög­lich­keit wird viel mehr kom­men­tiert.

    Bei ande­ren Blogs die The­men­spe­zi­fi­scher sind gibt es für vie­le eigent­lich kei­nen Grund anonym zu blei­ben und auch da funk­tio­niert es dann super.

    Gruß Lars

  3. Also ich ste­he zu mei­nen Kom­men­ta­ren auch mit mei­nem Namen, mei­ner Adres­se und der IP. Das ist mir eigent­lich egal, solan­ge die Kom­men­tar­re­geln nicht ver­letzt wer­den. Denn da liegt das eigent­li­che Pro­blem. Die­se Kom­men­tar­re­geln sind zum Teil wie Gum­mi und kön­nen vom Admin hinund her gezo­gen wer­den, um unbe­que­me Wahr­hei­ten zu unter­drü­cken und den Kom­men­tar nicht zu ver­öf­fent­li­chen bzw. den unbe­que­men Kom­men­ta­tor gleich zu sper­ren. Auf Nach­fra­ge war­um, wird auf die Kom­men­tar­re­geln ver­wie­sen aber kei­ne kon­kre­te Anga­be gemacht…

    1. Also ich ste­he zu mei­nen Kom­mentaren auch mit mei­nem Namen, mei­ner Adres­se und der IP. Das ist mir eigent­lich egal, solan­ge die Kom­men­tar­regeln nicht ver­letzt wer­den. Denn da liegt das eigent­li­che Prob­lem.” – Nicht immer. Es gibt auch Kom­men­ta­re, bei denen der Kom­men­tie­ren­de ein völ­lig berech­tig­tes Schutz­in­ter­es­se hat, sei­ne per­sön­li­chen Daten nicht preis­zu­ge­ben. Aber ich hal­te das Argu­ment, dass man zu sei­nem Kom­men­tar mit sei­nem Namen und ande­ren per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten „ste­hen” müs­se, für grund­sätz­lich falsch. Denn es kommt auf den Inhalt des Kom­men­tars an, nicht dar­auf, ob man weiß, wer den Inhalt ver­fasst hat. Neben­bei: Du machst hier dei­ne Daten auch nicht völ­lig trans­pa­rent. Dei­ne Mail­adres­se sehe nur ich. Das könn­te irgend­ein Ste­fan sein, der hier kom­men­tiert hat. Du stehst also eigent­lich nicht mit dei­nem Namen dazu. Und woher weiß ich, dass Ste­fan wirk­lich Ste­fan heißt und sei­ne Mail­adres­se wirk­lich die ist, die ich sehe?

  4. Ich den­ke ein wenig Trans­pa­renz ist auch online nicht schlecht. Aber am Ende ist es die Ent­schei­dung des Blog­be­trei­bers

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