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Kurze URLs: Ein gefährlicher Segen?

Das ist ein über­ar­bei­te­ter Arti­kel aua dem Jahr 2008.

Einleitung

Im Zuge mei­ner ers­ten Erfah­run­gen mit Twit­ter habe ich mich 2008 ver­mehrt mit kur­zen URLs und den dahin­ter ste­hen­den Diens­ten befasst. Dar­aus ist einer mei­ner ers­ten Blog­ar­ti­kel ent­stan­den, in dem ich mich kri­tisch mit die­ser Tech­no­lo­gie aus­ein­an­der­set­ze. Die grund­sätz­li­chen Beden­ken sind bis heu­te gül­tig. Ich habe ledig­lich eini­ge Aus­sa­gen an die heu­ti­ge Zeit ange­passt.

Es gibt ver­schie­de­ne Anbie­ter, die die Mög­lich­keit bie­ten, nor­ma­le, lan­ge URLs zu kür­zen und durch ein For­mat zu erset­zen, das unge­fähr so aus­sieht: http://anbieter/code. anbie­ter ist dabei die Domain des Anbie­ters des Ser­vices, und der code steht für den codier­ten URL der Web­site. Die­se Daten wer­den ver­knüpft mit dem rich­ti­gen URL in einer Daten­bank gespei­chert, so dass beim Auf­ruf des gekürz­ten URLs der rich­ti­ge URL auf­ge­ru­fen wer­den kann. Ins­be­son­de­re bei Micro­blog­sys­te­men wie Twit­ter sind kur­ze URLs sehr ver­brei­tet, da man bei die­sen Sys­te­men nur weni­ge Zei­chen zur Ver­fü­gung hat. 2008, als die­ser Arti­kel zum ers­ten Mal erschien, waren es 140 Zei­chen. Heu­te, im Jahr 2020, sind es 280. Im Lau­fe der Zeit ent­stan­den wei­te­re teils freie und ver­teil­te Micro­blog­sys­te­me, wie <a href=„https://gnu.io/social/”>GnuSocial</a> und <a href=„https://joinmastodon.org/”>Mastodon</a>, die noch mehr Zei­chen pro Bei­trag erlau­ben. Aber mehr als 500 Zei­chen sind es sel­ten. Da bie­tet es sich an, statt­des­sen auf eine Web­sei­te zu ver­wei­sen und dafür eine kur­ze URL zu ver­wen­den.

Kurze URLs: Wo liegt das Problem?

So weit, so gut. Aber kur­ze URLs haben auch ihre Schat­ten­sei­ten. So fin­den Sie mitt­ler­wei­le auch rege Ver­wen­dung in Diens­ten, die kei­ne Zei­chen­be­gren­zung haben, oder gar auf nor­ma­len Web­sites. Das bringt gro­ße Nach­tei­le mit sich, die ich an die­ser Stel­le dis­ku­tie­ren möch­te.

  • Was pas­siert, wenn einer der Anbie­ter sei­nen Dienst plötz­lich dicht­macht? Die Fol­ge wäre, dass mitt­ler­wei­le sicher­lich hun­dert­tau­sen­de oder mehr dar­über gene­rier­te und in Diens­ten wie Twit­ter oder gar auf nor­ma­len Web­sei­ten ver­wen­de­te URLs plötz­lich ins Nir­va­na wei­sen wür­den. Einen Vor­ge­schmack auf einen der­ar­ti­gen Super-GAU konn­te man bereits Ende 2008 bekom­men, als einer der Anbie­ter offen­bar eine Zeit lang kei­ne gül­ti­gen URLs pro­du­zie­ren konn­te. In die­sem Fall waren aber immer­hin die bereits gene­rier­ten URLs noch gül­tig. Unvor­stell­bar jedoch, wenn plötz­lich alle URLs eines Anbie­ters ungül­tig wären. Selbst ein tem­po­rä­rer Aus­fall der Daten­bank wäre höchst unan­ge­nehm, denn damit wür­den die meis­ten Infor­ma­tio­nen, die in Micro­blogs wie Twit­ter ver­öf­fent­licht wur­den, plötz­lich kom­plett wert­los. Schlim­mer noch: Alle Web­sites, die die­sen Dienst ver­wen­den, hät­ten nur noch Links, die ins Lee­re lau­fen wür­den.
  • Für den­je­ni­gen, der eine Web­site über einen kur­zen URL besucht, ist aber eine ande­re Gefahr noch viel grö­ßer. Man sieht näm­lich nicht, was hin­ter dem kur­zen URL steckt. Der rich­ti­ge URLs bleibt ihm ver­bor­gen, bis er den kur­zen URL und somit auch den rich­ti­gen URL auf­ge­ru­fen hat. Woher soll aber eine Besu­che­rin wis­sen, ob sie dem Pos­ter einer kur­zen URL oder der Web­site, die dahin­ter steckt, ver­trau­en kann? Auf der Web­site könn­te sich statt des ange­kün­dig­ten Inhalts Mal­wa­re oder auch ille­ga­ler Con­tent befin­den. Ohne Fra­ge, die Nut­zungs­be­din­gun­gen der Anbie­ter der Kurz-URLs schlie­ßen eine der­art schäd­li­che Nut­zung ihres in der Regel kos­ten­frei­en Diens­tes natür­lich unter Andro­hung von Sank­tio­nen aus, und sie sind bemüht, schäd­li­che URLs auch wie­der aus ihren Daten­ban­ken zu ent­fer­nen. Aber es ist davon aus­zu­ge­hen, dass das nicht in allen Fäl­len und auch nicht immer sofort gelingt. Wenn dann so ein schäd­li­cher URL auch nur weni­ge Stun­den gül­tig ist und von vie­len Men­schen auf­ge­ru­fen wird, kann er erheb­li­che Schä­den anrich­ten.
  • Last but not least kön­nen sich die­se kur­zen URLs auch nega­tiv auf die Off-Page-Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung einer Sei­te aus­wir­ken, wenn sie auf nor­ma­len Web­sei­ten ver­wen­det wer­den. Denn wenn eine kur­ze URL ver­wen­det wird, kön­nen Such­ma­schi­nen nicht mehr erken­nen, wel­che Web­site eigent­lich ver­linkt wur­de. Von sol­chen Ver­lin­kun­gen pro­fi­tiert der Besit­zer der ver­link­ten Web­site nicht so wie bei­nen direk­ten Link auf sei­ne Sei­te. Zwar erhält auch er einen Link durch den Anbie­ter, aber der ist nir­gends direkt abruf­bar, so dass Such­ma­schi­nen ihn nicht fin­den kön­nen. Aber selbst wenn die­se Links von Such­ma­schi­nen gefun­den wür­den, wür­de der ursprüng­li­che Kon­text, in dem sie gesetzt wur­den, ver­lo­ren gehen. Ins­be­son­de­re der Kon­text einer Ver­lin­kung ist jedoch ein Kri­te­ri­um, das aus der SEO-Per­spek­ti­ve eine gro­ße Rol­le spielt. Das gilt übri­gens auch für Micro­blogs, die eben­falls von Such­ma­schi­nen erfaßt wer­den.

Was folgt daraus?

Ange­sichts die­ser Pro­ble­me soll­te man mit dem Ein­satz von kur­zen URLs ins­be­son­de­re auf Web­sites, aber auch in Diens­ten wie Twit­ter vor­sich­tig sein und eine kur­ze URL nur dann wäh­len, wenn der Platz wirk­lich nicht aus­reicht. User soll­ten kur­ze URLs nur ankli­cken, wenn sie dem Pos­ter einer kur­zen URL wirk­lich ver­trau­en. Beim Blog­gen soll­ten Sie auf kur­ze URLs mög­lichst kom­plett ver­zich­ten. In der Regel ist das pro­blem­los mög­lich.

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